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  • Andrea Reutter, Coach

Interview zu Erlebnis Führungsseminar im Grand Canyon / Rafting

Aktualisiert: 20. Nov 2019

Als Teilnehmerin eines Seminars, bei welchem ich an meine Grenzen ging, wurde ein spannendes Interview mit mir für ein Magazin durchgeführt ... Lesen Sie selbst:



Erinnerst du dich an deine Erwartungen und deine Wünsche vor der Reise? Ich bin ohne große Erwartungen losgefahren, das fand ich besser. Ich wusste, es wird ein Abenteuer für mich, direkt in der Natur. Ich war davon überzeugt, dass ich dort bei mir ankommen und mich intensiv wahrnehmen kann. Ich war neugierig auf meine Gedanken, auf meine Ideen, die daraus entstehen und auf den Austausch mit den anderen.


Haben sich die Ideen und Wünsche für dich erfüllt? Ich habe erst gestern, als ich mich auf das Interview vorbereitet habe, meinem Mitarbeiter davon erzählt, wie gut mir die Seminarreise getan hat und wie mich die Erlebnisse heute noch bewegen. Als ich zurückkam, war mir zunächst nicht wirklich bewusst, was sich für mich alles verändert hat. Die Tage im Grand Canyon waren eine Reise zu mir selbst. Jetzt lasse ich mich längst nicht mehr so fremdbestimmen, erfülle eben nicht mehr nur das, was alle andere wollen – so wie ich das im Elternhaus gelernt habe – sondern ich spüre, was gut für mich ist und gehe dem nach. Also: Was gefällt mir? Was mache ich gerne? Was kann ich weitergeben? Ich fand es gut, dass ich vorher nicht wusste, was alles auf mich zukommt. Solche Situationen reizen mich persönlich sehr. Ich möchte auch nicht die gleiche Reise wieder machen und wissen: Der Ablauf ist dann so und so. Das ist mir sehr wichtig.


Hast du auf dieser Reise etwas erlebt, womit du nicht gerechnet hast? In eine solche Situation bin ich bereits am ersten Tag auf dem Colorado beim Rafting geraten. Ich war völlig entspannt, weil ich wusste: ich bin eine erfahrene Taucherin und weiß wie ich mich verhalten muss wenn ich ins Wasser falle. Aber nach einem Kentern bin ich direkt unter dem Boot mit der Rettungsweste festgeklebt und kam nicht mehr weg. Alles, was ich mit meiner Routine in dieser Situation versucht habe, hat nicht funktioniert. Allerdings bin ich nicht in Panik ausgebrochen, sondern war einfach überrascht: „Puh: mir geht echt die Luft aus.“ Es war so unwirklich. Gleichzeitig war das Wissen, dass ich wieder hochkomme, tief in meinem Unterbewusstsein. Als ich durch den Sauerstoffmangel langsam in eine Art Dämmerzustand geriet, habe ich instinktiv das Richtige getan. Ich bin wieder aufgewacht, habe nur noch weiße, blubbernde Bläschen um mich herum gesehen. In diesem Moment habe ich gemerkt: „Jetzt bewegt sich etwas“ - nämlich ich mich selber - da wurde mir klar: „Du kommst jetzt wieder hoch.“ Und ich kam hoch. Es war ein ganz besonderes Erlebnis ohne dabei das Gefühl von Angst zu spüren.


Gibt es ein prägendes Erlebnis während dieser Reise? Ja, und das hatte mit Angst zu tun. Wir waren im Canyon auf schmalen Wegen am Abgrund entlang unterwegs. Unsere Wanderführerin ist locker fidel rumgesprungen, so wie ich früher, als ich noch keine Höhenangst hatte. In Flip-Flops. Für mich war klar: „Wenn sie das mit Flip-Flops kann und ich habe meine Wanderschuhe an, dann bekomme ich das auch hin.“ Tatsächlich habe ich es geschafft, selbst eine sehr schmale Stelle direkt am Abgrund klappte gut für mich. Etwas später, an einer einfacheren Stelle, packte mich die Höhenangst wie aus dem Nichts und blockierte mich vollkommen. Zum Glück war Stefan in der Nähe. Als ich ihm sagte: „Ich weiß nicht, wie ich da jetzt zurückkomme“, sah er mich nur ruhig an, ohne auf meine Angst zu reagieren. Er sagte gelassen: „Schau, hier ist der Bach und ein schmaler Streifen am Rand. Steh seitlich dort hin und dann stellst du, nach und nach, den linken neben den rechten Fuß – und so weiter. Genauso, wie wenn du am Berg stehst und an der anderen Seite geht es senkrecht runter.“ Obwohl ich es, trotz meiner Angst, irgendwie lächerlich fand, weil es nicht steil abwärts ging, bin ich seiner Anweisung gefolgt und war danach stolz auf mich, dass ich es geschafft habe.


An was erinnerst du dich besonders gerne zurück? An einem Seitenarm des Colorado River gab es Wasserfälle. Wir waren so lustig drauf, dass wir um die Wette hochgeklettert sind um auf den Schwimmwesten herunter zu rutschen. Wir waren unbeschwert wie Kinder, die nur Spaß empfinden und Begeisterung. Das hat uns auf einer ganz eigenen Ebene miteinander verbunden. Das erlebt man als Erwachsener nicht so häufig.


Was hat sich nach der Reise für dich verändert? Vor der Reise hatten sich bei mir große Änderungen angekündigt: Einmal die Trennung von meinem Lebenspartner und zusätzlich die Trennung von meinem Geschäftspartner. Trotzdem bin ich in den Grand Canyon gefahren. Die Erfahrungen dort haben mir die Kraft und Energie gegeben für die Aufgaben und Baustellen, die zu Hause auf mich warteten. Es war für mich klar, dass ich diesen Weg gehe, auch wenn das nicht immer leicht und schön für mich sein würde. Allerdings hat es sehr lange gedauert – länger als ich dachte – denn ich musste sehr, sehr viel aufräumen. Einen Schlenker habe ich auch noch eingelegt, als ich einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellte. Meine Vorstellung war, dadurch das nächste Ziel angehen zu können. Davon habe ich mich im vergangenen Herbst endgültig verabschiedet. Ich habe einen Cut gemacht und mit nur einem Mitarbeiter wieder neu angefangen. Ich mache jetzt nur noch Dinge, die für mich funktionieren und nach meinen Vorstellungen. Zum Beispiel habe ich mich vor kurzem entschieden, komplett auf digitale Technik umzustellen. Das ist richtig viel Arbeit, aber für mich macht es Sinn.


Außerdem achte ich noch mehr auf mein Umfeld und unternehme nur etwas mit Menschen, die zu mir passen. Von allen anderen verabschiede ich mich, wenn ich merke, dass sie mir nicht gut tun. Ich reagiere viel klarer wenn ich spüre, dass Menschen aus meinem Umfeld mich versuchen fremd zu bestimmen. Ich höre Sätze wie „Da musst du hin, du bist du doch eingeladen“ und entscheide: „Nein, mache ich nicht.“ Wenn es heißt: „Mensch, du arbeitest zu viel“, signalisiert mir mein Gefühl etwas ganz anderes: „Nein, ich arbeite nicht zu viel. Das ist mein Leben. Das macht mir Spaß.“


Würdest du diese Reise weiterempfehlen? Ja, natürlich! Das hängt natürlich mit mir zusammen: Ich mag gerne Abenteuer, individuell zu reisen und individuelle Herausforderungen. Für mich war es wichtig, den Alltag hinter mir zu lassen - weg vom entsetzlichen Handy und allem, was damit verbunden ist. Der Abstand und Perspektivwechsel tat mir gut: nicht immer das Gleiche und Gewohnte tun. Für mich war diese Seminarreise auf alle Fälle beeindruckend und sie hat mir geholfen, meinen eigenen Weg zu gehen.

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